
Inhalt: Schon früh musste die Tänzerin Yuna lernen, mit ihrer Andersartigkeit umzugehen. Sie ist athletischer als andere Mädchen, weniger zierlich, und fühlt sich mehreren Kulturen zugehörig. Nur beim Tanzen ist sie vollkommen frei. Am Montana Arts College für künstlerisch Begabte verfolgt Yuna deshalb ihren Traum vom klassischen Ballett – ihre modernen Choreografien behält sie vorerst für sich. Im Campuscafé lernt sie den verschlossenen Barista Miles kennen, der sofort von Yunas Ausstrahlung, ihren kontrollierten, eleganten Bewegungen fasziniert ist. Beide sind auf ihre Weise Außenseiter, denn Miles hat jahrelang unter dem Pflegesystem gelitten, seine Gefühle in Bildern verarbeitet. Miteinander können sie endlich sie selbst sein. Wäre da nicht Milesʼ Vergangenheit, die sie einzuholen droht.
Meinung: Können wir bitte einmal über dieses hübsche Cover sprechen? Das und die Autorin waren für mich ausschlaggebender Grund, warum ich diese Reihe anfangen wollte.
Wir begleiten Yuna und Miles, die beide mit dem Montana Arts College in Verbindung stehen. Während Yuna nach einer schweren Krankheit alles dafür tut, um Profitänzerin zu werden, jobbt Miles nur ab und zu in einem Café auf dem Campus.
Yuna ist eine unglaublich starke Protagonistin. Nach einer schwerwiegenden Krankheit muss sie mehr geben, als ihre Mitschüler:innen, da ihr ein ganzes Jahr an Training fehlt. Sie steht ständig unter Leistungsdruck, sei es bei ihren Eltern oder in der Tanzgruppe. Trotz des Drucks ist Yuna eher unauffällig, so sehr es mit ihren asiatischen Wurzeln inmitten einer Welt aus großen, meist blonden Ballerinen eben möglich ist, und zurückhaltend. Sie handelt jedoch gerne mal aus Affekt, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken.
Ihr Gegenstück ist Miles. Er hat eine weniger schöne Kindheit und Jugend genossen, weswegen er jedem als erstes mit Distanziertheit begegnet. Seine zurückhaltende Art hat ihn in meinen Augen sehr sympathisch gemacht. Seine Vergangenheit bleibt lange unter Verschluss, doch mir hat das Thema sehr gut gefallen (SPOILER: es handelt sich bei diesem Thema um das Foster-System/Pflegekinder-System). Seine Erfahrungen haben ihn auf eine Art gebrochen, dass er sich selbst kein Glück mehr eingesteht, dabei verdient er es umso mehr.
Die Nebenfiguren waren mir allesamt sympathisch. Am meisten haben es mir jedoch Rich und Ellen angetan, das Ehepaar, bei dem Miles untergekommen ist. Aufgrund dessen, was sie für Miles getan haben, habe ich sie richtig ins Herz geschlossen. Ebenfalls mochte ich Hazel und Julie sehr. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch waren sie Yuna gute Freundinnen.
Gut gefallen hat mir das Setting. Ich mag generell Geschichten an Performing-Arts Colleges. Die „Besonderheit“ hier war, dass es nicht in einer Klischee-Stadt, wie London oder New York spielte, sondern in Montana – gefühlt mitten im nirgendwo.
Die Geschichte ist zu Beginn sehr ruhig und baut langsam, aber stetig immer mehr Spannung auf. Im letzten Drittel jagt ein Plottwist den nächsten und meine Augen wurden von Mal zu Mal immer größer. Dadurch, dass die Geschichte zu Beginn eher ruhig ist, verläuft auch die Liebesgeschichte in einem gemächlicheren Tempo, was mir sehr gut gefallen hat – ich mag es nämlich nicht, wenn die Protagonisten direkt übereinander herfallen. Leider ging mir der Wendepunkt der Lovestory dann doch zu schnell, gefühlt von jetzt auf gleich. Dieses Gefühl hatte ich leider bei ein paar Plotpunkten, von denen ich mir eine nicht so abrupte Auflösung gewünscht hätte.
Der Schreibstil war sehr angenehm und humorvoll und auch die beiden Sprecher haben ihre Arbeit gut gemacht. Es wurde abwechselnd von beiden Seiten erzählt, was der Geschichte etwas mehr Tiefe gab und mehr Details hervorbrachte. Generell haben mir die Hintergrundgeschichten sehr gut gefallen, sie ließen die beiden sehr viel realer und menschlicher wirken und nicht perfekt, wie es oft in Büchern der Fall ist.
Insgesamt habe ich das Buch geliebt und möchte es jedem in die Hand drücken. Es gibt uns wunderbare Protagonisten, die ihre Ecken und Kanten haben, die man aber einfach nur gern haben muss. Für mich war der erste Band der Montana-Arts-Reihe ein absolutes Wohlfühlbuch, bei dem aber noch die Kirsche auf der Sahne gefehlt hat. Deswegen gibt es von mir 4,5/5 Sternen. Aber ich freue mich schon sehr auf die Folgebände dieser Reihe und was sie noch für uns bereit hält.
TITEL: CHASING DREAMS
AUTOR: JULIA K. STEIN
VERLAG: PIPER VERLAG
PREIS: 12,99€ [D]
EINBANDART: KLAPPENBROSCHUR
SEITEN: 416
ERSCHEINUNGSDATUM: 29.07.2021
ISBN13: 978-3-492-06261-9
ALTERSEMPFEHLUNG: AB 16